Pfarrer-Freimuth-Stiftung

Pfarrer Johann Baier
Pfarrer Johann Baier

Im Jahre 1909 hat Pfarrer Freimuth den Kindergarten als Kinderbewahranstalt gegründet. Die Wörther dankten ihm diese zur damaligen Zeit höchst fortschrittliche Tat damit, dass sie ihn noch im gleichen Jahr zum Ehrenbürger ernannten. Seit seinem Tod wird sein Lebenswerk in der Pfarrer-Freimuth-Stiftung fortgeführt.

Benannt hatte man den Kindergarten (Leoheim) nach Papst Leo XIII., geboren am 02.03.1810 in Carpineto (bei Anagni). Papst seit 1878, war er ein bedeutender Politiker und Gelehrter, der sich um die Öffnung der Kirche für die sozialen und politischen Entwicklungen der modernen Welt bemühte. Am 18.05.1891 verkündete er die Enzyklika "Rerum Novarum" (über die Arbeiterfrage), die erste der Sozialenzykliken überhaupt. Grundgedanke war, dass durch die Kraft des Evangeliums die Kirche zur Versöhnung von Kapital und Arbeit beitragen könne und somit sozialer Friede einkehren werde. Mit ihr wurde aber auch die Forderung des marxistischen Sozialismus auf Vergesellschaftung der Produktionsmittel verworfen und der Klassenkampf verurteilt. Die Staaten wurden auf ihre Zuständigkeit für die Sicherung der Lebensgrundlagen der Menschen hingewiesen. Die Katholische Arbeiterbewegung (Arbeitervereine) sowie die gesamte christlich-soziale Bewegung wurde gefördert. Rerum novarum war der Ausgangspunkt der (katholischen) christlichen Soziallehre, ein Aufruf zu christlicher Sozialreform. Papst Leo XIII. ist am 20.07.1903 in Rom gestorben.

Am 06. August 1908 errichtete der damalige Pfarrer und Distriktsschulinspektor von Wörth a. d. Donau, Hochw. Herr Georg Freimuth, eine gemeinnützige Stiftung mit dem Namen "Pfarrer Freimuth`s Wolfahrts- und Unterrichtsstiftung". Der Sitz der Stiftung ist Wörth a. d. Donau. Als Zweck bestimmte der Stifter die Unterhaltung eines Kindergartens und einer Näh- und Handarbeitsschule.

Beide Einrichtungen waren im Stiftungseigenen "Leoheim" untergebracht und wurden von katholischen Ordensfrauen ("Arme Schulschwestern") geleitet.
Die Tätigkeiten der Näh- und Handarbeitsschule wurden im Laufe der Zeit von staatlichen Schulen übernommen. Deshalb führte die Stiftung zweckgemäß nur mehr den Kindergarten weiter.
Die Satzung der Stiftung vom 06.08.1908 wurde am 12.12.1954 neu bestätigt.
Der bauliche Zustand des Leoheimes erforderte jedoch einen Neubau des Kindergartens. Dieser wurde mit großer Unterstützung der Stadt Wörth a. d. Donau im "Schußhüttengelände" 1981 begonnen.
Am 27. September 1982 konnte der Betrieb im neuen Kindergartengebäude aufgenommen werden. Die Einrichtung erhält den Namen "Pfarrer- Freimuth-Kindergarten" Wörth a. d. Donau. Hochw. Herr Weihbischof Vinzenz Guggenberger gab am 01 Mai 1983 dem neuen Kindergarten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung den Kirchlichen Segen. Die Regierung der Oberpfalz regte an, die Satzung der geänderten Situation anzupassen. Am 11.04.1985 war eine erneute Satzungsänderung notwendig.

Bereits 1992 musste ein Anbau an den Bestehenden Kindergarten durchgeführt werden. Hierbei wurde ein Teil der Stiftungseigenen Grundstücke mit der Stadt Wörth getauscht, im Gegenzug erhielt die Stiftung das Grundstück, auf dem sich der Anbau des neuen Kindergartens befindet. Der Anbau wurde am 08 Oktober 1993 durch Hochw. Herrn Stadtpfarrer Johannes Frischholz eingeweiht.

Das Leoheim wurde ab 1981 den kirchlichen Vereinen und der Kirchenstiftung zur Nutzung zur Verfügung gestellt. Der Bauliche Zustand des Gebäudes machte jedoch eine Sanierung des Gebäudes notwendig. Da die finanziellen Mittel fehlten und die Pfarrer Freimuth Stiftung zum erfüllen ihres Stiftungsauftrages das Gebäude nicht mehr benötigte, beschloß man das Gebäude und das Grundstück mit der Stadt Wörth a. d. Donau zu tauschen. Mit der Notariell Beurkundung bekam die Pfarrer Freimuth Stiftung im Tausch 2 Baugrundstücke zu ihrem Grundstockvermögen hinzu.

Pfarrer Georg Freimuth

Pfarrer in Wörth von 1902 bis 1926. Zum Ehrenbürger ernannt am 06. Juni 1909. Schon im Jahre seines Dienstantrittes als neuer Pfarrer von Wörth begann Georg Freimuth mit seinen Bemühungen, eine Einrichtung für schulpflichtige Buben und Mädchen ins Leben zu rufen. Sieben Jahre opferte der Pfarrherr Zeit und Geld - wohlgemerkt - sein eigenes, bis er die Zustimmung des Bezirksamtes Regensburg und die Genehmigung des Königreiches Bayern zur Einrichtung und Führung einer so genannten "Kinderbewahranstalt" erhalten hat. In den Statuten dieser Einrichtung wird an vorderster Stelle ihr Zweck wie folgt beschrieben: "Zweck der Anstalt ist, 1. die Kinder vor Gefahren des Leibes und der Seele zu bewahren, die Entwicklung der Kräfte des Körpers und des Geistes angemessen zu leiten und den Grund zu einer Erziehung zu legen; 2. diejenigen Eltern, welche der arbeitenden Klasse angehören, in der Erziehung und Ernährung ihrer Kinder zu unterstützen, um ihnen möglich zu machen, ihrer Arbeit unbesorgt und ungestört den Tag über obliegen zu können." In diesem Text kommt die überaus soziale Einstellung eines für damalige Zeiten sehr fortschrittlichen Priesters und Seelsorgers zum Ausdruck. Die politische Gemeinde hat die Größe und Bedeutung des Werkes von Pfarrer Georg Freimuth erkannt und schon im Jahre der Gründung 1909 mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft gewürdigt. Neben der Kinderbewahranstalt wurde im Anstaltsgebäude, im so genannten "Leoheim", auch eine Handarbeitsschule für Mädchen und junge Frauen eingerichtet. Diese wurden betreut und angeleitet von einer Nonne aus dem Orden der "Armen Schulschwestern". Auch die Leiterin der "Kleinkinder Bewahranstalt" kam aus diesem Orden. Die bleibenden Verdienste des Gründers über den Tag hinaus zu würdigen und immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, erhielt der neue Kindergarten im Schusshüttengelände den Namen "Pfarrer-Freimuth-Kindergarten".

Auszug aus der Satzung

(...)

Der Charakter des Kindergartens ist römisch-katholisch. Er dient in erster Linie den katholischen Kindern der politischen Gemeinde Wörth a. d. Donau. Wenn die räumlichen Verhältnisse es gestatten, können auch Kinder aus anderen Ortschaften und nicht katholischen Bekenntnisses aufgenommen werden.

(...)

Trägerleitbild

Unser Kindergarten hat eine katholische Ausrichtung, orientiert sich am kirchlichen Jahreskreislauf und ist offen gegenüber anderen Weltanschauungen und Religionen.
Die pädagogische Arbeit ist geprägt von der Botschaft des Evangeliums. Wir achten auf die Individualität eines jeden Menschen und legen Wert auf einen achtsamen und toleranten Umgang mit anderen und auf Ehrfurcht vor Gott und seiner Schöpfung.

Stiftungsvorstand

(1) Der Stiftungsvorstand besteht aus dem jeweiligen katholischen Pfarrer in Wörth a. d. Donau oder seinem Vertreter in diesem Amt als Vorsitzenden und einem Stellvertreter, der vom Stiftungsrat aus dessen Mitte berufen und abberufen wird.

(2) Der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes und sein Stellvertreter vertreten die Stiftung einzelvertretungsberechtigt gerichtlich und außergerichtlich. Im Innenverhältnis wird bestimmt, dass der Stellvertreter den Vorsitzenden nur bei dessen Verhinderung vertreten darf.

(3) Der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, bei dessen Verhinderung der Stellvertreter, führt entsprechend den Richtlinien und Beschlüssen des Stiftungsrates die Geschäfte der laufenden Verwaltung; hierzu gehört auch die Entscheidung über die Aufnahme von Kindern in den Kindergarten.

(4) Der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, bei dessen Verhinderung der Stellvertreter, ist befugt, anstelle des Stiftungsrates dringliche Anordnungen zu treffen und unaufschiebbare Geschäfte zu besorgen. Hiervon ist dem Stiftungsrat in der nächsten Sitzung Kenntnis zu geben.

Stiftungsrat

Der Stiftungsrat besteht aus dem Vorsitzenden und sechs weiteren Mitgliedern, die dem römisch-katholischen Bekenntnis angehören. Zwei Mitglieder werden durch die katholische Kirchenverwaltung Wörth/Donau und vier vom Stadtrat Wörth/Donau jeweils aus ihren Reihen bestimmt. Der Vorsitzende des Stiftungsrates ist der jeweilige Pfarrer der Pfarrei Wörth an der Donau.

Zurzeit gehören dem Stiftungsrat folgende Mitglieder an:

Johann Baier, Pfarrer und Stiftungsratsvorsitzender.
Aus den Reihen der Kirchenverwaltung Wörth/Donau: Johann Bornschlegl und Heinz Hohmeier.
Aus den Reihen der Stadtrates Wörth/Donau: Beate Ostermeier; Anton Rothfischer, Bürgermeister; Hildegard Schindler; Gerhard Schmautz.